Riley ist 13 Jahre alt und plötzlich mitten in der Pubertät. Ihre Eltern nerven, im Eishockey-Camp bricht Streit mit ihren besten Freundinnen aus und in Rileys Kopf spielt sich ein Drama ab. In der dortigen Kommandozentrale regeln Freude, Kummer, Wut, Ekel und Angst – die personifizierten Emotionen Rileys – das Gefühlsleben der Teenagerin. Bislang hat das gut geklappt. Doch nun verschaffen sich plötzlich vier neue Gemütsregungen Platz: Zweifel, Neid, Langeweile und Peinlichkeit. Und damit ist Chaos angesagt: Riley ist ständig im Konflikt mit sich selbst – eben noch hilfsbereit und freundlich, dann auf einmal unsicher, eifersüchtig oder angeberisch. Bis sich die alten mit den neuen Gefühlen vertragen, muss einiges durchgestanden werden. Am Ende steht aber die Erkenntnis, dass auch unangenehme Gefühle ihren Zweck erfüllen – und dass Joy, die leibhaftige Freude, auch mal weinen darf.
Im Pixar-Animationsfilm steht die jugendliche Identitätsfindung zwischen Innen- und Außenwelt im Fokus
Fotos: The Walt Disney Studio Germany
»Regisseur Kelsey Mann und Kreativchef Pete Docter haben sich nicht nur Unterstützung von studierten Spezialisten geholt, sondern auch selbst bei der Zielgruppe nachgefragt. Ein neunköpfiges Team aus Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren hat den Machern beratend zur Seite gestanden und sorgt so mit ihrem emotionalen Einsatz für die größtmögliche Authentizität im Leben eines 13-jährigen Mädchens [...] ›Alles steht Kopf 2‹ ist wild, traurig, lustig, überbordend vor Fantasie, ist manchmal zu schnell, manchmal zu langsam, zu forsch, zu chaotisch. Genauso wie die Pubertät eben ist. Ein Film, der wieder einmal perfekt die richtigen Knöpfe drückt.« Anna Wollner, Berliner Morgenpost
»Aus dem an Stellen merklich didaktischen Plot macht Kelsey Mann eine kurzweilige Dramedy, in der die komischen Anteile klar überwiegen. Man mag die Grundannahme des Films, die Persönlichkeitsentwicklung auf neurowissenschaftlicher Basis zu schildern, für reduktionistisch halten. Der Vorteil dieses Ansatzes ist allerdings, dass sich damit herrliche Bilder finden lassen. Und Gelegenheit für Quatsch bietet er obendrein. Denn die Erinnerungen Rileys speisen sich unter anderem aus Zeichentrickserien und Computerspielen, die als verdrängte Erinnerung zurückkehren. Und die können zur Not für rettende Einfälle sorgen. Psyche macht eben erfinderisch.«
Tim Caspar Boehme, taz, Berlin
»Regisseur Kelsey Mann und Autorin Meg LeFauve gelingt mit ›Alles steht Kopf2‹ tatsächlich das Kunststück, die fantastische Prämisse des Originals noch zu übertreffen [...] Das Sequel ist schon allein deswegen vielschichtiger als der Originalfilm, weil ein Teenager eben komplizierter fühlt [...] Endete ›Alles steht Kopf‹ noch mit der Erkenntnis, dass Trauer eine wertvolle Erfahrung im Heranwachsen ist, drängt die Fortsetzung nun auf eine deutliche komplexere Botschaft: dass der Mensch, selbst ein hormonal überfordertes Kind, eben nicht nur von seinen Gefühlen gesteuert wird. Aus der Vielzahl von emotionalen Informationen erwächst in ›Alles steht Kopf 2‹ schließlich so etwa ein eigener Wille. Ein Subjekt.«
Andreas Busche, Der Tagesspiegel, Berlin
»Doch bei all dem Spaß vergisst man auch nicht den doppelten Boden, denn darunter versteckt sich natürlich wieder eine äußerst wichtige Botschaft: Umarmt alle eure Emotionen, denn jede einzelne von ihnen gehört zu eurem Leben dazu und macht euch erst zu dem Menschen, der ihr seid. Kein Mensch ist jemals frei von Zweifel, Wut und Kummer, doch es ist ganz wichtig solche Gefühle nicht zu unterdrücken, sondern sie zu akzeptieren, weil auch diese Gefühle uns als Menschen ausmachen. Niemand ist perfekt und niemand muss perfekt sein, um von seiner Familie und seinen Freunden akzeptiert zu werden.«
Yuliya Mieland, moviebreak.de, Kassel
»Pixar kleidet komplexe menschliche Erfahrungen in Bilder, die das Publikum so noch nie gesehen hat, und in rasante Geschichten, die es atemlos zurücklassen. ›Alles steht Kopf‹ ist so ein Wunderwerk: Eine Abenteuergeschichte, die im Kopf der elfjährigen Riley spielt und aus ihren Gefühlen Figuren macht, mit denen man mitfiebert. Jetzt sind Freude (die hier Joy heißt), Kummer, Angst, Wut und Ekel zurück. Allerdings wird es deutlich enger in der Kommandozentrale. Der Grund ist eine rote Alarmanzeige, die eines Nachts plötzlich aufleuchtet. Darunter prangt die Aufschrift: ›Pubertät‹.«
Oliver Kaever, Spiegelplus, Hamburg
»›Inside Out‹ war die Geschichte eines kindlichen Nervenzusammenbruchs. Teil zwei ist die einer Identitätskrise. Das grosse, neue, originelle Bild dieses Films ist deshalb eine Art Baum aus leuchtenden Fäden. Wie Wurzeln reichen sie tief ins Unterbewusste von Riley hinab, wo ihre wichtigsten Erinnerungen auf einem stillen See umhertreiben. Die Fäden sind Glaubenssätze wie ›Ich bin eine gute Freundin‹ oder ›Ich bin ein guter ‹. Und ganz oben in der Schaltzentrale wachsen sie zu einem leuchtenden Gewächs zusammen, Rileys ›Ich‹.«
Kathleen Hildebrand, Basler Zeitung
»Exzellent ist der Zweifel (Maya Hawke) besetzt. In der englischen Originalversion heißt die Figur anxiety, was vertrackter und ambivalenter klingt. Zweifel ist ein orangefarbener Gnom mit entsetzten Riesenaugen und dauerquasselndem Riesenmund [...] Im Rausch der Möglichkeiten spielt er so viele Belastungs- und Angstszenarien durch, dass allen der Kopf schwirrt, auch dem Zuschauer, der mit dem Tempo der Bildeinfälle und Pointen kaum schritthalten kann. Zweifel beziehungsweise ängstliches Abwägen und Eruieren sind je nach Perspektive die Sollbruchstelle in einem auf Tatkraft geeichten Charakterbild. Oder das artistische Potential, ein Gespür für die Gefahren der Welt. Am Ende wird natürlich alles gut ...«
Daniel Haas, Frankfurter Allgemeine Zeitung
» ... ein ziemlich wilder Ritt durch Rileys Gehirn. Zeit zum Durchatmen bleibt kaum, doch irgendwie müssen die Macher ja all ihre überbordenden Ideen in dem gerade einmal 96 Minuten lange Film unterbringen [...] Eine mehr als würdige Fortsetzung zum Animationshit ›Alles steht Kopf‹, der ein gutes Stück komplexer und wilder geraten ist, seinem Vorgänger in Sachen Humor und Emotionalität jedoch in Nichts nachsteht.«
Antje Wessels, wessels-filmkritik.com, Hamburg