Ob in Verpackungen, Kosmetik oder Kleidung: Plastik ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Weltweit werden heute bis zu 400 Millionen Tonnen Kunststoffe pro Jahr produziert. In den Ozeanen gibt es 500mal mehr Plastikpartikel als Sterne in der Galaxie. Für Mensch und Umwelt wird das zunehmend zum Problem. Dem geht der Film aus verschiedenen Perspektiven nach: Von der Herstellung des Materials über seine vielfältigen Verwendungsgebiete bis hin zur Herausforderung, Plastik zu recyceln. Umweltaktivist*innen und Wissenschaftler*innen berichten vom teils erfolgreichen, teils vergeblichen Kampf gegen Umweltverschmutzung. Zugleich wird auch die eloquente Art dokumentiert, mit der sich die Industrie aus der Verantwortung stehlen möchte, denn die Plastikherstellung ist ein wesentlicher Teil der Wachstumsstrategie der Erdölindustrie. Dabei gibt es schon längst Vorschläge für umweltverträgliche Alternativen und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft.
»Plastic Fantastic« fragt abwechslungsreich, wie eine Welt ohne Plastikmüll aussehen könnte
Fotos: mindjazz pictures, Köln
»Die Autorin und Regisseurin legt es in ihren ruhigen und klar gegliederten Bildfolgen, die auf Off-Kommentare verzichten, keineswegs darauf an, die Kunststoffindustrie an den Pranger zu stellen [...] Kritische Argumente werden in ihrem neuen Werk mit dem ironischen Titel von den interviewten Gewährsleuten fast immer sachlich vorgebracht. Und die Lobby der Industrie erhält durchaus beachtlichen Raum für ihre Public-Relations-Arbeit.« Reinhard Kleber, kino-zeit.de, Mannheim
»Nicht alles von den ProtagonistInnen Erläuterte ist neu, es ist aber auf dem aktuellen Stand und wird in der oft kontrapunktischen Montage prägnant auf den Punkt gebracht. Kommentiert wird durch gezielten Musikeinsatz. Und am Ende gibt es auch hier etwas Hoffnung: etwa durch die Arbeit von Anne Lamp und KollegInnen, die in ihrem Start-up Traceless nach aufwendigen Forschungen erfolgreich daran arbeiten, aus Restprodukten der Getreideverarbeitung Kunststoffalternativen zu bauen. Und dann gibt es eine fantastisch klingende Idee: Könnte man vielleicht auch Kohlendioxid in Kunststoff verwandeln?«
Silvia Hallensleben, epd Film, Frankfurt/Main
»Es geht ihm, so erklärt der junge Mann, darum, den Blick zu erweitern und nicht länger auf ein paar Plastiktüten oder Schraubverschlüsse von Colaflaschen zu achten, denn vielmehr sei das große Ganze wichtig. Sofern man dies als Fundament einer Dokumentation wie ›Plastic Fantastic‹ sehen kann, erfüllt Willingers Mischung aus klassischer Doku und Essayfilm diesen Zweck voll und ganz und gibt vor allem denjenigen, denen die globalen Folgen des Themas nicht bewusst sind, einen Überblick, der beide Lager berücksichtigt. Der Ton ist dabei unaufgeregt und faktenbasiert, was wohl am meisten überzeugt in diesem sehr informativen und überzeugend gemachten Film, der sich Zeit lässt, wo andere zu (vor-)schnellen Schlüssen kommen.«
Rouven Linnarz, film-rezensionen.de, München
»Man muss das Plastikproblem global angehen, das ist die These des Films [...] Was der Film auch nahelegt, ist, dass die Erdölindustrie in Zeiten, in denen alternative Antriebsmodelle massenhaft produziert werden, den Plastikabsatz zu steigern versucht, um die Verluste zu kompensieren. Richtig ist, dass die Plastikproduktion immer noch wächst [...] ›Plastic Fantastic‹ leistet in 100 Minuten viel an Aufklärung. Mehr forschen, bewusster handeln und am Plastik lernen, wie die Welt durch ihr erfindungsreichstes Säugetier einerseits sicherer und besser wird, andererseits schwieriger und gefährdeter.«
Wiebke Hüster, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»IIsa Williger erzählt nicht nur von einem Problem für die Umwelt. Sie legt offen, dass Plastik in der Art und Weise, wie es produziert und entsorgt wird, eine Form von Gewalt ist: Es schädigt alle, aber wer arm oder schwarz ist, stirbt eher an den Folgen. ›Plastic Fantastic‹ steckt voller bissigem Humor. Der US-Lobbyist etwa, der sagt: ›Wir bitten Sie, uns zu vertrauen‹, parodiert sich selbst. Der Film stoppt aber nicht bei der Problembeschreibung, sondern erzählt von Alternativen, die es längst schon gibt. Und die nötig sind.«
Fritz Habekuß, Die Zeit, Hamburg
»Die wohl wahnwitzigste Geschichte dieses an wahnwitzigen Geschichten reichen Films ist jene von ›Kunos cooler Kunststoff-Kiste‹. Dahinter steckt der Kunststofferzeuger-Verband ›Plastics Europe‹, dieser möchte Grundschulkindern naturwissenschaftliche Phänomene näherbringen. So heißt es zumindest. Mit einer Art Experimentierkoffer lerne man ›coole‹ Kunststoffe wie Polyamid, Polyethylen, Polyesterharz oder PVC besser kennen. Diese Plastik-PR-Aktion wurde abgestimmt mit den Kultusministerien der Länder, es gibt Schulungen für Lehrkräfte in ganz Deutschland. So kamen bisher 16000 Koffer unters Grundschulvolk.«
Josef Grübl, Süddeutsche Zeitung, München
»Der Film der preisgekrönten Dokumentar-Filmerin Isa Willinger zeigt ein düsteres Bild der Kunststoffindustrie. Mit bildgewaltigen Aufnahmen von illegalen Mülldeponien, Meeresmüll, Produktion- und Abfallverbrennungsanlagen, in denen große Mengen fossiler Rohstoffe verarbeitet werden, rüttelt der Film Zuschauerinnen und Zuschauer auf, und mahnt zu einem nachhaltigeren Umgang mit Kunststoffen. ›Plastic Fantastic‹ will selbstverständlich provozieren‹, sagt Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe Deutschland, dem Verband der Kunststoffhersteller, der in der Dokumentation als Vertreter der Industrie ebenfalls zu Wort kommt. ›Der Film zeigt viele der bestehenden Probleme, die mit Plastik verbunden sind. Das ist wichtig, denn wir müssen diese Probleme angehen. Gleichzeitig blendet der Film die laufende Transformation zur Kreislaufwirtschaft größtenteils aus. Zudem spiegelt er in keiner Weise die hohen Sicherheitsstandards für Mensch und Umwelt wider, die in der Chemie- und Kunststoffindustrie seit Jahren gelten.‹
PlasticsEurope Deutschland e.V., Frankfurt/Main