Little Fugitive

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Little Fugitive –
Der kleine Ausreißer

USA 1953 / Spielfilm / 80 Minuten / 3.-13. Jahrgangsstufe

Inhalt

Der siebenjährige Joey lebt in New York, liebt Pferde und wäre gerne ein richtiger Cowboy. Als er mit seinem großen Bruder Lennie einen Tag alleine ist, heckt dieser einen Streich aus. Dabei glaubt Joey, Lennie getötet zu haben und flieht. Mit sechs Dollar in der Tasche strandet er allein in Coney Island. Im Vergnügungspark am Südstrand von Brooklyn taucht er in der Masse unter und verliert sich im Spiel. Bald schon hat er vergessen, dass er vermeintlich auf der Flucht ist. Er fährt Karussell, übt Dosenwerfen, isst Zuckerwatte, reitet Pony und beobachtet die Menschen um sich herum. Doch bald beginnt sich der Ponybesitzer Jay zu wundern und Lennie alles daran zu setzen, seinen kleinen Bruder wiederzufinden. Gedreht mit Laiendarsteller*innen und einer Kamera, die sich Morris Engel an der Hüfte anbrachte, wurden eindrucksvolle Aufnahmen eingefangen, die die Welt aus Kinderaugen erleben lassen.

In einem neugierig-staunenden Spiel mit dokumentarischem Blick erzählt der Film von den Abenteuern eines kleinen Ausreißers.

Fotos: Rapid Eye Movies, Köln

Themen

Familie   |  Abenteuer   |  Kindheit   |  New York   |  Vergnügungspark   |  Verantwortung   |  Geschwisterbeziehung   |  Filmgeschichte

Fächer

Deutsch   |  Englisch   |  Kunst   |  L-E-R   |  Geschichte

»Es ist ein kleines Wunder, dass dieser Filmklassiker von 1953 zurück ins Kino findet. Zu verdanken ist es Regisseur Wes Anderson, der für die diesjährige [2023] Berlinale-Retro mit dem Titel ›Young at Heart‹ seinen persönlichen Lieblingsfilm benennen sollte, bei dem es ums Jungsein und Erwachsenwerden geht [...] Dabei ist  ›Little Fugitive‹ selbst ein (Film-)Wunder: kamerapoetisches Kunstwerk an der Schnittstelle von Zeitdokument und Kindheitsgeschichte, einzigartiges New-York-Porträt und zugleich warmherzige Hymne auf Licht und Schatten einer gefährdeten Kindheit. Womöglich fällt es heutigen Kids nicht leicht, sich für die schwarz-weißen Bilder sowie die deutsch untertitelten Originaldialoge zu erwärmen. Sie seien inständig ermutigt, es zu versuchen! Die gesprochenen Sätze weichen schnell zugunsten nahezu dialogfreier Passagen, die ganz von Stimmungen, Impressionen und überwältigenden Sinneseindrücken leben.«
Horst Peter Koll, Kölner Stadt-Anzeiger

»In einer erstaunlichen Mischung aus Herz, Stil und technischer Innovation gewann ›Little Fugitive‹ erst einen der Hauptpreise beim Filmfestival Venedig und dann ein für einen so kleinen Film erstaunlich großes Publikum. Auch in Deutschland lief er unter dem Titel ›Der kleine Ausreißer‹ im Kino und geriet doch schließlich in Vergessenheit – überrollt von einer Neuen Welle, die er selbst losgetreten hatte: Filmen, die nichts zu tun haben wollten mit Studiokulissen und Dialogen aus Papier.«
Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau

»Die univer­selle Geschichte, die der Film erzählt, könnte genauso oder ähnlich in jeder Familie passiert sein. In jedem Kultur­kreis, zu jeder Zeit: Der ca. 12-jährige Lennie darf nicht wie geplant mit seinen Freunden den Jahrmarkt in Coney Island besuchen, weil er auf seinen jüngeren Bruder Joey aufpassen muss. Lennie und seine Freunde spielen dem kleinen Joey einen maximal makabren Streich, der hier nicht verraten wird. Der arme Joey macht aus dem höchst­wahr­schein­lich maximal trau­rigsten Tag seines Lebens den maximal schönsten Tag. Wie er das schafft, wird hier auch nicht verraten.«
Viktoria Oppenhoff,  artechock.de, München

»In herrlichen, sehr lebhaften Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die mit ihrem genauen Blick gewissermaßen die Epoche des Cinéma vérité in den 1960er Jahren vorwegnehmen, erleben wir zunächst den sommerlichen Alltag einer Kleinfamilie im urbanen Raum aus kindlicher Sicht. Da wird mit Kreide auf die Straße gemalt, Mundharmonika und amateurhaft Baseball gespielt; im Fernsehen in der engen Wohnung läuft eine Western-Serie. Auf der Halbinsel Coney Island an der Atlantikküste tobt wiederum später der Freizeitspaß: Die Leute flanieren auf der Promenade, liegen im Sand, schwimmen im Ozean, vergnügen sich auf dem Rummel. Mit sechs Dollar in der Tasche scheint Joey hier die Welt offenzustehen; für lediglich 10 US-Cent können die lauthals angepriesenen Attraktionen genutzt werden. In manchen Passagen setzt der Film ganz auf die stimmungsvolle Musik, um in den Coney-Island-Kosmos einzutauchen.«
Andreas Köhnemann, kino-zeit.de, Mannheim

»Engel ließ sich von Charles Woodruff eine kleine, leichte Handkamera bauen, die es ihm ermöglichte, den kleinen Ausreißer ... Joey auf Augenhöhe und in jeder Lebenslage zu begleiten. Üblich war das 16mm-Format, aber Engel bestand auf 35mm. Der versierte Fotograf, der 1944 die Invasion in der Normandie hautnah mitverfolgt hatte, wollte nun auch Joey in bester Bildqualität ganz nahe kommen. Das debütierende, im Filmgeschäft aber nicht ganz unerfahrene Dreigestirn folgt dem Siebenjährigen zwei Tage lang auf seinen Irrwegen durch die Großstadt.«
Gerhard Midding, epd Film, Frankfurt/Main»

»Sehr liebevoll und empathisch schildern die Filmemacher aus kindlicher Perspektive das Erleben des Jungen. Daneben blicken sie durch dessen Augen auf die Erwachsenenwelt und das sommerliche Strandleben. So besitzen viele Szenen, die fast ausnahmslos draußen spielen und nur wenige Dialoge benötigen, eine geradezu dokumentarische Anmutung. Das macht den Film fast nebenbei zu einem wichtigen Zeitbild. Durch wiederkehrende, genau gesetzte Motive, einen fantasievollen Plot, geschickte dramatische Zuspitzungen und eine teils raffende, augenzwinkernde Montage kreiert das Regie-Trio zugleich einen spannenden Spielfilm, dessen Ende natürlich sehr gewitzt und versöhnlich ist. Der Weg dorthin bietet allerdings für den unerschrockenen Joey viele lehrreiche Erfahrungen und für das Publikum außerdem visuelle Überraschungen.«
Wolfgang Nierlin, filmgazette.de, Bielefeld

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