Berlin 1942. Hilde und Hans sind verliebt. Wenn sie zwischen langen Schatten am See sitzen, im Zelt eine Sommernacht verbringen, scheinen Krieg und Schrecken weit weg. Doch Hans ist Teil einer Widerstandsgruppe, in der auch Hilde – angesteckt vom Mut ihres Liebsten – bald aktiv wird. Gemeinsam plakatieren sie gegen das NS-Regime, funken Militärinformationen an sowjetische Geheimdienste. Bis sie und weitere Mitglieder der von der Gestapo so genannten „Roten Kapelle“ verhaftet werden. Erzählt wird von diesem Moment aus in zwei Zeitebenen und Richtungen: In gedämpften Bildern vorwärts, durch die Zeit im Strafgefängnis Plötzensee, in dem Hilde und ihr Mann später hingerichtet werden. Und in satten Farben zurück an den Anfang der Geschichte, als sich Hilde und Hans Coppi kennenlernen. Je öfter und weiter der Film vor- wie rückwärts blickt, desto eindrücklicher stehen sich systemische Grausamkeit und tiefe Menschlichkeit gegenüber.
Einmal mehr beleuchtet Andreas Dresen anhand von Einzelschicksalen und mit großer Empathie ein Stück Zeitgeschichte
Fotos: Pandora Film Medien GmbH, Aschaffenburg
»Das ist nicht nur großartig und subtil geschrieben und inszeniert, sondern auch von einem großartigen Ensemble beeindruckend gespielt. Dabei ist Dresen dann auch fast so etwas wie ein perfekter ›Familienfilm‹ gelungen, denn sowohl jungen Erwachsenen als auch älteren Erwachsenen sollte bei diesen Bildern, bei dieser Geschichte ein Schauer des Erkennens und Erwachens über den Rücken laufen, der ›In Liebe, Eure Hilde‹ dann fast zu so etwas wie einer perfekten Handlungsanweisung für kommende Tage macht.«
Axel Timo Purr, artechock.de, München
»Wenn alles durchdrungen ist von Unrecht und Gewalt, die Institutionen, das Denken, Handeln und sogar das Fühlen, wenn auch die Kultur durchdrungen wird von ideologischer Falschheit - der Gefängnispfarrer (Alexander Scheer) bietet für ein letztes Gespräch Themen wie Goethes Lyrik oder deutsche Staatskunde an -, in welcher Sphäre kann sich Menschlichkeit dann überhaupt noch bewähren? Dresens Film gibt eine so zarte und feinsinnige Antwort auf diese Frage, dass sie fast zu übersehen ist.«
Daniel Haas, Neue Zürcher Zeitung
»›In Liebe, Eure Hilde‹ hat eine sehr eigene Erzählstruktur. Der Film bewegt sich frei in der Zeit und endet nicht mit dem Tod Hildes, sondern mit dem Beginn ihrer Liebe: Hilde Coppi lernt den Mann ihres Lebens kennen, den Vater des kleinen Hans. Andreas Dresen, der Regisseur, will den Mördern nicht das letzte Wort überlassen; er schließt seinen Film wie eine Sommerkomödie, deren Hauptpersonen ein langes, schönes Leben vor sich haben.
Peter Kümmel, Die Zeit, Hamburg
»Die Kamerafrau Judith Kaufmann wählt für die Rückblenden helles Sommerlicht, während die grobkörnigen Gefängnisinterieurs im Blaugrau erfrieren. Den Unterdrückungsapparat zeigt Dresen nicht in historisierenden Massenaufläufen oder einer Ansammlung von Nazi-Uniformen, wie es viele andere Historiendramen zum Thema gerne tun. Man erlebt ihn vielmehr entlang von zynischen Gefängnisärzten, freundlichen Gestapo-Beamten und verblendeten Aufseherinnen, die pingelig Vorschriften befolgen, um schließlich doch noch einen wohlwollenden Bezug zu den politischen Gefangenen zu entwickeln, denen man in intimen Momenten näherkommt, als man es eigentlich möchte.«
Alexandra Wach, Jüdische Allgemeine, Berlin
»Manche Szenen sind in ihrer Intensität emotional nur schwer auszuhalten, aber niemals rührselig oder schockierend. Als Gegenengewicht dient die Figur des Pfarrers Harald Poelchau (phänomenal: Alexander Scheer); er spendet der nichtreligiösen Hilde vor ihrem letzten Gang etwas Trost und zeichnet ihre letzten Worte für ihre Familie auf. Tatsächlich begleitete dieser Gefängnispfarrer in der NS-Zeit etwa 1000 Menschen vor ihrer Hinrichtung. Am Ende sieht Hilde noch einmal kurz das Sonnenlicht und das Wichtigste: Ihr kleiner Sohn Hans überlebt – und mit ihm die Hoffnung in düsteren Zeiten.«
Dörthe Gromes, kunstundfilm.de, Berlin
»Was erwartet man von einem Film über den deutschen Widerstand? Eherne Prinzipien; Männer, die tun, was getan werden muss. Und fiese Nazis natürlich. Andreas Dresen aber macht alles anders. Auf Hakenkreuz-Fahnen, Folter-Porno, den ganzen Nazi-Klischee-Ballast verzichtet er. Und erzählt, parallel zu Hildes Märtyrertum im Gefängnis, eine Liebes- und Abenteuergeschichte, in der sich die brave Sprechstundenhilfe Hilde (Spitzname: ›Gouvernante‹) unsterblich in den Kommunisten Hans verguckt, mit ihm tanzt und Moped fährt und Morsen lernt mit seinen Fingern auf ihrem nackten Oberschenkel.«
Martina Knoben, Süddeutsche Zeitung, München
»Liv Lisa Fries als Hilde Coppi trägt die Gefängnisszenen auf eindrucksvolle Weise. Sie setzt sich dem Gefühl der Ohnmacht aus. Die Geburt des Kindes unter entsetzlichen Bedingungen, die Trennung von Hans, die Angst vor dem Tod – all das spielt sie sehr eindringlich ganz ohne falsche Töne. Dresen zeigt mit Hilde Coppi, wie nah uns Menschen wie sie doch sind. Klingt gut, aber scheint künstlerisch problematisch. Macht das gewollt Einfache den Film vorsätzlich klein? Teils, teils. Man ist richtig erschrocken, wenn Alexander Scheer als schweigsamer Gefängnispfarrer Harald Poelchau (auch dieser ein Widerständler) bei Hilde Coppi vor ihrer Hinrichtung auftaucht – plötzlich ist da eine Distanz gebietende Aura, die sonst keiner der Schauspieler hier, auch Johannes Hegemann als Hans Coppi nicht, um sich herum schafft.«
Gunnar Decker, nd, Berlin
»Die Entscheidung, das Menschliche der Figuren hervorzuheben und sie nicht als politische Helden darzustellen, ist jedoch eine Stärke des Films. Eine der Frauenfiguren, von denen es im Film viele gibt - auch das eher selten in Dramen über das Dritte Reich -, bereut ihre Mithilfe im Gefängnis panisch: ›Jetzt müssen wir sterben, und wofür?‹ Auch Hilde Coppi antwortet auf die Frage vor Gericht, warum sie die Gruppe nicht verraten habe, schlicht: ›Weil ich meinen Mann liebe.« Gerade dieses Unheldenhafte ist es, das die Figuren nahbar macht.«
Lena Karger, Welt, Berlin
»Man sagt Andreas Dresen nach, der menschlichste unter den deutschen Filmemachern zu sein, was oft nur eine Ausrede dafür zu sein scheint, dass er einfach zu nett mit seinen Figuren umgeht. Hier, in ›In Liebe, Eure Hilde‹, ist seine Menschlichkeit, sein empathischer Blick, sein aufrechter Glaube daran, dass eine Gesellschaft nur dann lebenswert ist, wenn man für gemeinsame Werte eintritt, die Grundlage dafür, dass sein Film mit Hilde Coppi an sein bitteres Ende gehen kann, Niederschlag nach Niederschlag, bis sie ihren letzten Brief schreibt, der mit der Zeile endet, die dem Film seinen Titel gibt. Und man als Zuschauer mitgeht, bewegt, in seinen Grundfesten erschüttert, empört und mit der tiefen Empfindung: Nie wieder. Nie wieder. Nicht in Ausnahmesituationen. Nicht im Alltag.«
Thomas Schultze, The Spot Media & Film, München