»Wenn das Gesetz Sie nicht bestraft, tun wir das eben.« Acht junge Menschen treffen sich in der Einöde der texanischen Wüste. Ihr Plan: Eine wichtige Ölpipeline umweltverträglich in die Luft zu sprengen, um der Ölindustrie zu schaden und Widerstand gegen den fossilen Kapitalismus zu leisten. Denn so unterschiedlich ihre Beweggründe sind, in einem Punkt sind sie sich einig: Der friedliche Protest der Klimabewegung schafft keine Veränderung. Die Hoffnung, durch die Zerstörung einen Wandel in Gang zu bringen und die Politik zu essentiellem Klimaschutz zu bewegen, ist groß. Doch wird das funktionieren? Daniel Goldhabers Adaption des gleichnamigen Sachbuchs des schwedischen Ökologen und Aktivisten Andreas Malm ergründet die Radikalisierung der Klimaproteste.
Ein brisanter Öko-Thriller und mitreißender Kommentar zur Klimadebatte, der Dringlichkeiten, Formen und Motive verschiedener Aktionsformen beleuchtet.
Fotos: Fugu Filmverleih, Berlin
» ... einer der spannendsten Kinothriller seit Jahren; die Art von Film, bei dem sich Zuschauende den Gang zur Toilette versagen und in dessen leisen Szenen man eine Stecknadel im Saal fallen hören könnte. In körnig-rauen 16-mm-Bildern und nach der Dramaturgie eines klassischen Heist-Movie zeigt der Film eine Gruppe von Menschen, die an einem komplizierten illegalen Plan arbeiten. Man könnte ›How to Blow Up a Pipeline‹ auch als linksradikale Version von ›Ocean’s Eleven‹ bezeichnen. Nur dass es hier nicht um einen Raubüberfall von kriminellen Masterminds auf ein Casino geht, sondern um die ökologisch motivierte Sabotage einer Ölpipeline in Texas.«
Jan-Philipp Kohlmann, fluter, Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung, Berlin
»Tatsächlich sind Gedanken über die richtige oder falsche Form von Widerstand für den Film ›How to blow up a Pipeline‹ ziemlich egal. Er lässt sich nur an zwei Stellen auf die Diskussion über Legalität, Effizienz und Volksnähe ein. Stattdessen zeigt er schlicht acht Menschen, die handeln wollen. Pro und contra Kriminalisierung ist für sie keine Frage. Sie wissen, was eine Straftat ist, und haben sich die Konsequenzen gut überlegt. Während man ihnen dabei zusieht, wird man ihr Freund, nicht nur aus politischen Gründen, sondern weil sie unprätentiös sind und mutig, aber auch, weil sie miteinander und füreinander arbeiten. Und weil sie schlauer sind als ihre Gegner – wie schlau genau, das stellt sich erst schrittweise heraus, jedes Mal wieder als Überraschung.«
Doris Kuhn, filmdienst.de, Bonn
»Das Ziel unterstützen wir ja, aber nicht die Methoden. Solche oder ähnliche Aussagen hört man andauernd, wenn es um die Letzte Generation geht. Umweltschutz ist wichtig, werden die meisten sagen, er darf nur nicht weh tun oder stören. Ob die Maßnahmen der Aktivisten und Aktivistinnen wirklich geeignet sind, einen Sinneswandel zu erzeugen, darüber kann man sich natürlich streiten. Richtig erfolgreich scheint das alles nicht zu sein. Wenn es nach Andreas Malm geht, müsste da auch viel mehr geschehen. In seinem kontroversen Sachbuch ›How to Blow Up a Pipeline: Learning to Fight in a World on Fire‹ plädiert er dafür, dass der Kampf um Klimaschutz auch Gewalt beinhalten darf, vielleicht sogar beinhalten muss. Dieser Idee folgt dann auch der gleichnamige Spielfilm, der die Ideen fiktionalisiert aufgreift.«
Oliver Armknecht, film-rezensionen.de, München
»›How to blow up a Pipeline‹ ist fraglos eine spannende Chronik, und bietet aufgrund der unterschiedlichen Charaktere, die mit ihrer desillusionierten Grimmigkeit schließlich doch etwas gemeinsam haben, potenziellen Zündstoff, der das ganze Vorhaben bereits intern hätte scheitern lassen können. Das gemeinsame Ziel allerdings – die Aussicht, nichts mehr verlieren zu können, schweißt alle zusammen. Verzweiflung, Gruppendynamik und Teamgeist bilden die Essenz, die vorhanden sein muss, um Tabula rasa zu machen. In Goldhabers Film steht also primär die Erforschung der Parameter im Vordergrund, die zur praktischen Umsetzung radikaler Ideen führen. Andererseits kann Goldhaber auch nicht anders, als die Wahl extremer Mittel, um ein Statement zu setzen, für vertretbar zu befinden.«
Michael Grünwald, filmgenuss.com, Wien
»Viel Raum nimmt am Handlungsort in Texas die Durchführung des Sabotageakts ein. Der Film verfolgt im Detail, wie die Sprengstoffladungen zusammengestellt und an der Pipeline montiert werden. Dabei entsteht eine oft atemberaubende Spannung – der explosive Stoff könnte vorzeitig in die Luft gehen, jemand in der Nähe aufkreuzen, Spuren unbemerkt gestreut werden. Am Abend vor dem Anschlag diskutieren die jungen Leute, ob ihr Handeln terroristisch ist oder ob ihnen die Geschichte recht geben wird. Dass die Bundespolizei sie jagen wird, ist allen klar. Goldhaber ist ein interessanter, auch handwerklich überzeugender Film über ein kontrovers diskutiertes Thema gelungen.«
Bianka Piringer, spielfilm.de, Nierstein
»Abgesehen davon, dass linke Aktivistinnen selten als Protagonistinnen in Filmen zu sehen sind, werden sie, wenn sie denn in Erscheinung treten, selten positiv dargestellt. Dass das in ›Pipeline‹ anders ist, liegt an der politischen Einstellung der Macher. Und daran, dass sie Wert auf Recherche gelegt haben. Gleich zu Beginn des Projektes nahmen sie Kontakt zum Autor Malm auf, der ihnen nicht nur die positiven Kritiken zu seinem Buch zukommen ließ, sondern auch negativen. Sie suchten Beratung von Bombenexperten und indigenen Klimaschützerinnen. Auch auf anderen Ebenen entzieht sich der Film cineastischen Konventionen. Es gibt keinen Bösewicht, sondern eben nur ein Ding, die Pipeline, die ein ganzes System symbolisiert. Es gibt keine Verräter wie meist in solchen Geschichten, und ohne zu viel zu verraten: Das Ganze endet weder in der Tragödie noch im Happy End, sondern anders als vermutet: komplizierter.«
Lukas Hermsmeier, Zeit Online, Hamburg